Alexa, der Container ist voll

Alexa, der Container ist voll - Sprachsteuerung in der Abfallwirtschaft

Das nächste “Big Thing” ist die Stimme. Das prognostiziert der Internet-Guru und SPIEGEL ONLINE Kolumnist Sascha Lobo. Warum die Sprachsteuerung zukünftig unser digitales Leben bestimmt und was das für die Abfallwirtschaft bedeutet, lesen Sie hier.

Intelligente Lautsprecher (zu neudeutsch “Smart Speaker) wie Amazon Echo oder Google Home verbreiten sich auch hierzulande schnell, mit Folgen, die so tiefgreifend sein wie beim Smartphone. Das nächste Interface für die digitale Welt werde die Stimme sein, schreibt Sascha Lobo in seiner einer absolut lesenswerten SPON-Kolumne. Die Sprachsteuerung bietet so bequeme Lösungen, dass sie sogar deutsche Bedenken “schlage”.

Fortschritt ohne Wiederkehr – Warum CD´s was fürs Museum sind

Auch wenn die Hersteller keine offiziellen Verkaufszahlen nennen, Experten vermuten inzwischen, das allein in Deutschland die Millionengrenze überschritten ist. Amazon sei inzwischen die “größte Lautsprecherfirma der Welt“.  Und Sascha Lobo erkennt darin -richtigerweise- ein wiederkehrendes Muster, das er als “progress of no return” bezeichnet. Der Fortschritt sei ohne Wiederkehr, denn fast jeder von uns will irgend wann nicht mehr hinter dem Standard zurückbleiben. Wer vor 10 Jahren ein Smartphone mit Touchscreen in die Hand nahm, spürte, die alte Handy-Tastatur ist alt. Wer Musik oder Filme online per Streaming entdeckt hatte, für den waren CD´s, DVD´s sehr schnell Fossile aus vergangenen Tagen.

Ähnliches erwartet Lobo nun bei der Elektromobilität und eben auch bei der Steuerung und Interaktion per Sprache. Smart Speaker mit digitalen Assistenten werden angetrieben von künstlicher Intelligenz und bieten dem User einen nie dagewesenen Bedienkomfort. Das Netz wandele sich in eine Sprech- und Videolandschaft, manuelle Texteingabe werde zum Sonderfall, so Sascha Lobo. 

Strategische Partnerschaften und “Voice Commerce” werden wichtiger

Umso wichtiger ist es für Unternehmen, sich den kommenden Veränderungen im Markt zu stellen. Denn Sprachsteuerung kann komplett neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Vorreiter dürfte vermutlich das Thema “Smart Home” sein, das die intelligente Steuerung von Heizung, Licht etc. verspricht. Bereits 2016 haben die Telekom und die RWE-Tochter Innogy mit der Integration von Alexa, der virtuellen Sprach-Assistentin von Amazon Echo, in deren Smart-Home-Produkte begonnen. Ein Satz wie “Alexa, ab ins Bett” würde dann automatisch das Licht im Wohnzimmer ausschalten und im Flur dimmen, die Heizung auf Nachttemperatur absenken und die Jalousien herunter fahren.

Noch gravierender dürften die Auswirkungen auf das Thema “Kundenberatung” und “Verkauf” werden. Sascha Lobo spricht schon von “Voice Commerce”, bei dem das Argument “Beratung geht nur persönlich” ausser Kraft gesetzt werde. Die “Verkäuferin” zu Hause hat alles, ist nicht aufdringlich und kennt sogar die Konsumhistorie.

Sprachgesteuerte Abfallberatung – warum denn nicht?

An “Alexa, der Container ist voll” hat Sascha Lobo ganz bestimmt nicht gedacht beim Schreiben seiner Kolumne. Und viele aus der Entsorgung denken beim Thema Digitalisierung eher an Füllstandssensoren und “Smart LKW” statt an “Alexa” und Sprachsteuerung.

Wir von der NETWASTE halten das für eine gefährliche Verengung des Themas Digitalisierung. Wenn tatsächlich zukünftig immer mehr per Sprache gesurft und gesteuert wird (und wir sind davon überzeugt, nach dem wir uns selber von der Mächtigkeit und Bequemlichkeit der bereits existierenden Angebote überzeugt haben), werden auch Container per Sprache bestellt. Oder Behälterleerungen ausgelöst.

Ein noch relativ einfaches Praxisbeispiel für Sprachsteuerung ist der Mülleimer von Simple Human. Per Sprache oder Handgeste kann der Behälter geöffnet oder geschlossen werden.

Die größten Einsatzfelder sehen wir jedoch in Sprachbots, die den Kunden bei der Abfallklassifikation beraten und eigenständig geeignete Entsorgungslösungen für ihn finden und vorschlagen. Der Befehl “Alexa, der Container ist voll” wäre dann eher am Ende eines “Müll-Dialogs”, der vermutlich eher so angefangen hat:

“Alexa, ich habe Müll zu entsorgen” – “Kein Problem, was für Abfall soll entsorgt werden?” – “Ich habe renoviert und da liegen jetzt Steine, Holz und alte Plasticksäcke” – “Das ist Baumischabfall – wie viel hasst Du denn zu entsorgen? Am besten, Du sagst mir das in cbm” – “Weiss nicht, so ungefähr 3 – 4 cbm” -”Dann empfehle ich Dir einen 5 cbm Container. Soll der Container bei Dir zu Hause aufgestellt werden?” “Ja” “OK, hier sind die Angebote für einen 5 cbm Container für Baumischabfall für Deine Region”.